Es folgt der Inhaltsbereich:

Was kann man tun?

Wo kann man ansetzen bei der Verbesserung der Angebote für das Wohlbefinden älterer Menschen? Vor dieser Frage stehen Entscheidungsträger und Akteure, die sich für die Gesundheitsziele engagieren. Je nach Zielsetzung und Ausgangssituation in der Kommune kann man in einem oder mehreren der vier zentralen Handlungsfelder beginnen:

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit

Vielfach bieten die Träger der Seniorenarbeit bereits attraktive Bewegungsangebote, kulturelle Angebote oder Mittagstische für ältere Menschen an. Jedoch wissen oftmals ältere Menschen, die im Umfeld wohnen, nichts von diesen Angeboten. Dies liegt daran, dass die Information über das Angebot lediglich in den Medien des Trägers, z.B. im Mitteilungsblatt, im Veranstaltungskalender oder auf der Internetplattform veröffentlicht wird. Erfahren ältere Menschen von dem Angebot, z.B. über das örtliche Bürgerblatt der Gemeinde, wissen sie oft nicht, dass das Angebot für alle älteren Menschen offen ist – unabhängig davon, ob man ein Mitglied ist oder nicht – oder sie trauen sich nicht dorthin zu gehen, weil sie niemanden kennen.

Es erfordert weit mehr als nur eine Ankündigung im Mitteilungsblatt der eigenen Organisation oder im Bürgerblatt, um ältere Menschen über ein Angebot und die Rahmenbedingungen zur Teilnahme zu informieren. Die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sollte mit möglichst vielen Trägern gemeinsam strategisch geplant und umgesetzt werden. Dies gilt insbesondere, wenn Zielgruppen erreicht werden sollen, die nur über eine individuelle Ansprache zu einer Teilnahme motiviert werden können.

Qualifizierung von Akteuren

Viele Akteure haben durch ihre schulischen, beruflichen, familiären und/oder ehrenamtlichen Erfahrungen Fähigkeiten und Kompetenzen erworben, die für die Seniorenarbeit sehr wertvoll sind. Sofern die Akteure im Rahmen ihres hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Aufgabenfeldes die Förderung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens älterer Menschen mit unterstützen sollen, ist es erforderlich, sie durch entsprechende Informations- und Bildungsangebote dazu zu motivieren und zu befähigen.

Ohne die erforderlichen fachlichen Informationen, das Wissen um die Zusammenhänge und praktische Handlungsanleitungen zur Umsetzung der Empfehlungen in der Seniorenarbeit können Akteure kaum einen Beitrag zur Förderung einer ausgewogenen Ernährung und Bewegung in der Arbeit mit älteren Menschen leisten. Sie müssen ein Bewusstsein für die Bedeutung einer ganzheitlichen Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen entwickeln und auch die wichtigen Aspekte für eine gesunde, nährstoffreiche Ernährung und ausreichende Bewegung im Rahmen ihres Aufgabenfeldes berücksichtigen.

Im Rahmen des Projekts „Im Alter IN FORM“ bietet die BAGSO entsprechende Schulungen für Akteure in der Seniorenarbeit an.

Die IN FORM MitMachBox bietet Akteuren umfassende Informationen über die Vielfalt an Lebensmitteln und ihre Bedeutung für eine nährstoffreiche Ernährung. Die MitMachBox gibt darüber hinaus Anregungen und praktische Tipps, wie Akteure in der Seniorenarbeit Angebote für gesunde Mahlzeiten und Bewegungsübungen in der Arbeit mit älteren Menschen einbinden können und gleichzeitig die gesellschaftliche Teilhabe unterstützen.

Angebote verbessern und erweitern

Die Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen durch eine leckere und ausgewogene Ernährung, mehr Bewegung und soziale Teilhabe kann über sehr verschiedene Arten von Angeboten erfolgen.

Es gilt, im Wohnumfeld älterer Menschen eine ausreichende Anzahl von gut erreichbaren Angeboten für die verschiedenen Zielgruppen älterer Menschen zu ermöglichen. Die oftmals bereits bestehenden Angebote der verschiedenen Träger bieten dafür eine gute Basis.

Um für alle Zielgruppen genau die richtigen Angebote anzubieten und auch spezielle Zielgruppen zu erreichen, ist auch in diesem Handlungsfeld eine Zusammenarbeit der Träger und Akteure unabdingbar. Nur so können die vorhandenen Ressourcen sinnvoll genutzt und Angebotslücken geschlossen werden.

Die Vorgehensweise für eine systematische gemeinsame Planung und Umsetzung von Angeboten zur Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen ist im Qualitätsbaustein „Im Alter IN FORM – Konzept“  erläutert.

Angebotsbereiche:

Bildungsangebote zur Stärkung des Gesundheitsverhaltens älterer Menschen
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Möchte man das Bewusstsein älterer Menschen für die Bedeutung gesunder Lebensweisen und die Eigenverantwortung für die Gesundheit fördern, sind Informations- und Bildungsmaßnahmen sinnvoll. Bildungsmaßnahmen können problemlos in bestehende Angebote für ältere Menschen, wie zum Beispiel Seniorentreffs oder kulturelle Veranstaltungen, integriert werden.

Ebenso können auch Weiterbildungsreihen angeboten werden, in denen die verschiedenen Aspekte einer gesunden Lebensweise von Fachkräften aufgegriffen werden.

Durch Bildungsangebote kann die Gesundheitskompetenz der älteren Menschen verbessert werden.

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Essen und Trinken
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Maßnahmen zur Förderung einer leckeren und ausgewogenen Ernährung können je nach Zielgruppe und deren Lebenssituation konzipiert werden.

Alle Akteure, die im Rahmen ihrer Aufgaben älteren Menschen Speisen und Getränke anbieten, sollten immer darauf achten, nährstoffreiche Gerichte, Snacks oder Mahlzeiten mit anzubieten.

Etwa beim Seniorennachmittag mit Kuchen können z.B. vor dem Kuchen auch klein geschnittenes Obst und/oder Gemüse mit Dips angeboten werden oder auch Nüsse, ein Gemüse-/Obst-Smoothie oder kleine Vollkornhäppchen (sehr fein vermahlenes Vollkornbrot verwenden). Beliebt sind auch Verkostungen z.B. von verschiedenen Apfelsorten, Erdbeeren, Vollkornbrot aus fein vermahltem Vollkornmehl, Joghurts mit Früchten, selbst zubereitet oder gekauft etc.

Akteure, die ältere Menschen im eigenen Zuhause betreuen und für die Verpflegung bzw. Teilverpflegung verantwortlich sind, sollten bei Mahlzeiten die zehn Regeln der DGE berücksichtigen und den älteren Menschen auch neue gesunde Geschmackserlebnisse (Verkostungen) ermöglichen.

Bei der Organisation von Mittagstischen sollten alle Verantwortlichen, die die Speisen planen, bestellen oder auswählen, die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beachten. Je nachdem ob ein Mittagstisch täglich oder wöchentlich angeboten wird, sind die Empfehlungen zur Häufigkeit der Verwendung von bestimmten Lebensmittelgruppen zu berücksichtigen. Jedoch sollten immer eine Portion Gemüse in Form von Suppe und/oder Beilage oder Salat angeboten werden. (Siehe auch die „Im Alter IN FORM Planungshilfe“).

Der IN FORM Leitfaden Mittagstisch informiert über die vielfältigen Möglichkeiten, einen Mittagstisch zu organisieren, z.B. Mittagstisch in einer stationären Einrichtung, im Mehrgenerationenhaus, Bürgertreff oder im örtlichen Restaurant. Der Leitfaden bietet auch wichtige Hinweise zur Finanzierung und zu den hygienischen Anforderungen von Mittagstischen.

Bei Frühstücksangeboten sollten die Empfehlungen der DGE für nährstoffeiche Bestandteile, wie Vollkornbrot (aus feinvermahlenem Mehl), Müsli oder Gemüsesnacks, berücksichtigt werden.

Alle Fachkräfte, die für die Gemeinschaftsverpflegung von älteren Menschen in der Tagespflege, in stationären Pflegeeinrichtungen ober beim Caterer zuständig sind, tragen eine besondere Verantwortung, für ihre Zielgruppen eine wohlschmeckende und nährstoffreiche Verpflegung sicherzustellen. Die DGE-Qualitätsstandards bieten dazu wertvolle Hinweise.

Bisher in Deutschland noch nicht verbreitet, aber in England schon über viele Jahre üblich, ist der Nachbarschaftstisch, bei dem alleinstehende Personen oder auch Paare das Mittagessen für ältere Menschen aus dem nahen Wohnumfeld zubereiten und mit ihnen gemeinsam essen. Die teilnehmenden Personen aus der Nachbarschaft spenden einen Beitrag für das Essen. Auf diese Weise erhalten ältere Menschen eine vollständige warme Mahlzeit, die sie sich oftmals aus finanziellen Gründen oder aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht alleine zubereitet hätten.

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Menschen aktivieren – Bewegung fördern
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Ältere Menschen zu aktivieren, ist nahezu bei allen Begegnungen mit älteren Menschen möglich:

  • zuhause im eigenen Wohnumfeld, im Park oder im Dorf
  • bei Kultur- und Bildungsveranstaltungen, während Seniorentreffs
  • in der Sporthalle, dem Sportstudio etc.

Überall ist es möglich, mehr oder weniger umfassende Bewegungsübungen mit älteren Menschen durchzuführen.

Die Aktivierung in der Gemeinschaft mit Musik ist wertvoll für den Körper und Geist, die Musik sorgt für ein positives Gefühl. Die regelmäßige Bewegung mit gezieltem Training, durchgeführt von qualifizierten Fachkräften, dient der Sturzprophylaxe und der Erhaltung der Selbstständigkeit.

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Durch Zusammenarbeit mehr erreichen
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Aristoteles hat bereits vor mehr als 300 Jahren v.Chr. festgestellt: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“. Dies trifft insbesondere für die Seniorenarbeit zu. Alle Angebote und Leistungen von Trägern der Seniorenarbeit sind wertvoll. Soll aber die Förderung der Gesundheit im Sinne der Gesundheitsziele „Gesund älter werden“ für möglichst viele ältere Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen erreicht werden, so kann dies nur durch eine entsprechende qualitativ und quantitativ umfassende Angebotspalette aller Träger erreicht werden.

Chancen für Kooperationen

Die wichtigsten Gründe bzw. Chancen für Kooperationen der Träger sind:

  • Das Wissen und die Fähigkeiten werden vergrößert.
  • Ressourcen – personelle und sachliche – werden gebündelt, daher sind größere Aufgaben machbar.
  • Planung, Vorbereitung und Durchführung der Angebote lasten auf mehreren Schultern.
  • Oftmals sind Kostensenkungen möglich (z.B. Räume müssen ggf. nicht gemietet werden).
  • Es können mehr und andere Zielgruppen erreicht werden.
  • Die Angebotsvielfalt kann erweitert werden.
  • Das Risiko von Maßnahmen kann gesenkt werden.
  • Die Position gegenüber anderen, z.B. Politik, wird gestärkt.
Risiken von Kooperationen

Demgegenüber können die Risiken von Kooperationen nicht verschwiegen werden:

  • Alle Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden, ggf. sind Kompromisse nötig. (Wo bleibt die Selbstständigkeit?)
  • Erfolge werden geteilt.
  • Eigene Ideen werden zur gemeinsamen Innovation.
  • Die Aufgabenverteilung ist selten gleichwertig.

Betrachtet man die Chancen und Risiken von Kooperationen, so zeigt sich, dass die Chancen deutlich überwiegen!

Wie kann die Kooperation gelingen?

Die größten Risiken bei Kooperationen sind zwischenmenschliche Konflikte, die sich aus unterschiedlichen Vorstellungen und Betrachtungsweisen ergeben können oder durch individuelle Verhaltensweisen.

Eine Zusammenarbeit möglichst vieler Träger und Akteure der Seniorenarbeit kann gelingen, wenn wichtige Aspekte berücksichtigt werden:

  • hauptamtliche Unterstützung durch einen Kümmerer in der Verwaltung
  • Schaffung von Strukturen, d.h. einer Lenkungsgruppe für den Runden Tisch, Arbeitsgruppen oder das Netzwerk
  • Vereinbarung von Regeln für die Zusammenarbeit und Übernahme von Verantwortung
  • klare Absprache über die Aufgaben
  • gemeinsames Verständnis und gemeinsame Einschätzungen von Themen bzw. Aspekten (Altersbild, Lebenssituation älterer Menschen, kommunale Rahmenbedingungen, absehbare Entwicklungen und erforderlicher Handlungsbedarf)
  • Erarbeitung gemeinsamer Ziele und Planung der Vorgehensweisen
  • ggf. Ansprache von Konflikten und Klärung von Meinungsverschiedenheiten
  • regelmäßige Überprüfung der Ziele und Absprachen, ob ggf. Änderungen erforderlich sind.

Die Zielsetzungen von Kooperationen zwischen Trägern der Seniorenarbeit können sehr komplex und unterschiedlich sein:

  • Kooperationen ermöglichen einen Informations- und Erfahrungsaustausch, bei dem jeder von anderen lernt und ggf. für sein Aufgabenfeld daraus Schlüsse zieht und Verbesserungen bei seinen Angeboten für das Wohlbefinden älterer Menschen vornimmt.
  • Man unterstützt bei Maßnahmen der Partner, z.B. bei der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit oder durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten.
  • Man entwickelt gemeinsam Strategien, um mehr ältere Menschen für die eigenen Angebote zu interessieren und zur Teilnahme zu motivieren.
  • Man plant gemeinsam, um neue Angebote bzw. eine Maßnahme für neue Zielgruppen zu etablieren.
  • Alle streben an, die Ziele im Handlungsfeld 1 der Gesundheitsziele „Gesund älter werden“ nach und nach zu erreichen!

Alle Maßnahmen und Aktivitäten, die in einem oder allen vier genannten Handlungsfeldern von einzelnen Trägern, besser jedoch von vielen Trägern gemeinsam unternommen werden, um Angebote für ältere Menschen zur Förderung des Wohlbefindens zu verbessern, sind zu begrüßen und wertvoll.

Wie die Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen durch gemeinsame Anstrengungen in der Kommune gestärkt werden kann, zeigen die Qualitätsbausteine „Systematische Vorgehensweise“, „Verantwortung übernehmen“ und „Schritt für Schritt zum Ziel!“.

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