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Wo fehlt etwas für ältere Menschen?

Bestandsaufnahmen auswerten

Eine wesentliche Voraussetzung zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung von Angeboten zur Förderung des Wohlbefindens und der Lebensqualität älterer Menschen ist eine genaue Bestandsaufnahme der vorhandenen Angebotsstrukturen. Eine Stärken-/Schwächenanalyse gibt Aufschluss darüber, inwieweit die bestehenden Angebote den Bedürfnissen der unterschiedlichen Zielgruppen älterer Menschen gerecht werden und welchen Beitrag sie zur Verwirklichung des Gesundheitsziels „Gesund älter werden“ leisten.

Gründe für eine umfassende Analyse

Die Zielsetzungen im Handlungsfeld 1 der Gesundheitsziele „Gesund älter werden“ können nur dann erreicht werden, wenn ältere Menschen in allen Lebenssituationen ausreichende Angebote und Dienstleistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in ihrem Umfeld vorfinden. Dazu zählen insbesondere:

  • Angebote zur Förderung einer ausgewogenen Ernährung, um Mangelernährung vorzubeugen
  • Bewegungsangebote, um die Mobilität und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten
  • Angebote zur sozialen Teilhabe, um die Teilnahme an gesellschaftlichen Veranstaltungen zu ermöglichen und das Entstehen von Einsamkeitsempfinden zu vermeiden
  • Angebote zur Gewährleistung einer sachgerechten Mund- und Zahnpflege, um die Gesundheit älterer Menschen und ihr Kau- und Schluckvermögen zu erhalten bzw. zu verbessern
  • Angebote zur Förderung der Resilienz, um die seelische Widerstandskraft zu stärken und psychischen Störungen oder Erkrankungen vorzubeugen.

Grundlagen schaffen

Um im Sinne der Gesundheitsziele älteren Bürgerinnen und Bürgern in ihrer individuellen Lebenssituation eine bestmögliche Unterstützung, Versorgung und Betreuung zu gewährleisten, müssen auf kommunaler Ebene – im Stadtteil, Sozialraum oder Dorf – bedarfsgerechte Angebote für ältere Menschen vorhanden sein. Diese vorhandenen Angebote müssen nach und nach verbessert, ergänzt und den sich verändernden Bedarfen älterer Menschen angepasst werden.

Die Verwirklichung der Gesundheitsziele für die älteren Bürgerinnen und Bürger setzt jedoch ein besonderes Engagement aller Verantwortlichen in der Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft voraus.

Verantwortliche Akteure in der Seniorenarbeit auf kommunaler Ebene sollten

  • sich der Relevanz der Zielsetzung „Gesund älter werden“ umfassend bewusst sein,
  • mit den Strategien und Anforderungen im Handlungsfeld I „Gesundheitsförderung und Prävention“ der Gesundheitsziele vertraut sein,
  • die Gesundheitsförderung im Sinne einer ganzheitlichen Förderung des Wohlbefindens und der Lebensqualität älterer Menschen als zentrale Aufgabe der Seniorenarbeit unterstützen,
  • die fachlichen Hintergründe und Empfehlungen zur Gesundheitsförderung älterer Menschen kennen,
  • mit den Erkenntnissen aus der Analyse der aktuellen Lebenssituationen der älteren Menschen in der Kommune vertraut sein und den daraus resultierenden Bedarf an Angeboten einschätzen können
  • und nicht zuletzt dafür Sorge tragen, dass die erforderlichen Ressourcen in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.

Siehe hierzu Qualitätsbaustein 8: Information und Sensibilisierung sowie das Konzept „Informations- und Motivationsveranstaltung für Verantwortliche und Akteure in der Seniorenarbeit“

Analyse der Stärken und Schwächen

Eine erste Stärken-/Schwächenanalyse der aktuell vorhandenen Angebote gibt Aufschluss darüber, inwieweit diese den Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen älterer Menschen gerecht werden und einen Beitrag zur Verwirklichung des Gesundheitsziels „Gesund älter werden“ leisten. Gleichermaßen wird anhand der Stärken-/Schwächenanalyse erkennbar, wo Angebotslücken sind und eine Bedarfsdeckung offenkundiger Bedürfnisse älterer Menschen nicht gegeben ist.

Im Rahmen einer mittel- bis langfristigen Strategie sollte auf kommunaler Ebene immer wieder eine periodische Überprüfung stattfinden,

  • ob den Bedürfnissen aller älteren Menschen in den verschiedenen Lebenssituationen entsprechend bedarfsgerechte Angebote im Wohnumfeld vorhanden sind,
  • ob die Angebotsstruktur den gestellten Zielsetzungen entspricht,
  • ob sich in einem Sozialraum die Lebenssituationen älterer Menschen verändert haben und daher neue Angebote erforderlich sind oder vorhandene Angebote angepasst werden müssen, oder
  • ob durch technischen Fortschritt, gesellschaftliche Entwicklungen oder politische Vorgaben andere Angebotslösungen sinnvoll werden.

Da sich die Zielgruppen, aber auch die Rahmenbedingungen in der Kommune stetig verändern, sollte die Überprüfung des Angebotsspektrums, auch im Hinblick auf die Erreichbarkeit für die Zielgruppe, immer wieder erneut erfolgen.

Vorgehensweisen

Für die Überprüfung des Angebotsspektrums können verschiedene Wege gewählt werden.

Eine Grundvoraussetzung bei allen Verfahren sollte sein, dass alle Beteiligten wissen, mit welcher Intention wichtige Parameter zu Angeboten erhoben und abgeglichen werden.

Allen Verantwortlichen oder Akteuren, die Angaben über die konkreten Angebote/Dienste und Akteure machen, sollte bewusst sein, welche Ziele mit der Abfrage dieser Angaben verbunden sind. Sie sollten auch ein ernstes Interesse haben, die Gesundheitsziele zu unterstützen.

Zu Beginn des Prozesses der Stärken-/Schwächenanalyse ist es sinnvoll, die Überprüfung der vorhandenen Angebote mit möglichst vielen Akteuren gemeinsam im Rahmen einer Arbeitstagung/ Werkstattveranstaltung durchzuführen. So können die Akteure selbst zu wichtigen Erkenntnissen bei der Stärken-/Schwächenanalyse von Angeboten kommen. Die eigenen Bewertungen veranlassen sie oftmals, eigenständig Verbesserungen vorzunehmen, z.B. Bewegungsangebote oder Essensangebote wie nährstoffreiche Snacks oder vollwertige Gerichte in ihre Seniorenarbeit einzubinden.

Die Beteiligung an einer Werkstattveranstaltung unterstützt die Motivation der Akteure.

Bei der Analyse des Angebotsspektrums können z.B. folgende Fragen erörtert werden:

  • Was bieten wir schon?
  • Welche Zielgruppen nehmen teil?
  • Wie viele ältere Menschen nehmen bisher an dem Angebot teil, gibt es noch Kapazitäten?
  • Welches Gesundheitsziel wird mit dem Angebot unterstützt?
  • Wie könnte das Angebot ohne großen Mehraufwand einen Beitrag zu einem weiteren Gesundheitsziel leisten?
  • Welche Partner sind beteiligt, haben die Partner noch Kapazitäten, welche Partner könnten ergänzend unterstützen?

Bei der Betrachtung der Stärken und Schwächen ihrer Angebote entwickeln viele Akteure bereits Ideen, welche Maßnahmen man ergänzend initiieren könnte, um beispielsweise:

  • mehr ältere Menschen zu motivieren, die bestehenden Angebote wahrzunehmen
  • den barrierefreien Zugang zu den Angeboten für ältere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zu ermöglichen, etwa durch Fahrdienste
  • neue Partnerschaften einzugehen, um bestehende Angebote zu ergänzen oder neue Angebote zu etablieren.

Netzwerkzusammenarbeit fördern

Insbesondere in Kommunen, in denen Träger der Seniorenarbeit noch nicht eng kooperieren und daher die Akteure oftmals die Vielfalt der Angebote vor Ort nicht kennen, ist eine gemeinsame Arbeitstagung/Werkstattveranstaltung eine sinnvolle Vorgehensweise. Sie dient dem gegenseitigen Kennenlernen von Akteuren und ihren Angeboten sowie dem Austausch von neuen Informationen und Erfahrungen. Zudem ermöglicht die Werkstattveranstaltung, Partnerschaften für die Verbesserung von Angeboten oder gemeinsam erste Ideen für neue Angebote zu entwickeln. Daraus entstehen oftmals langfristige Kooperationen zwischen einzelnen oder mehreren Trägern/Organisationen.

Ergänzend zu der Stärken-/Schwächenanalyse der Angebote sollte mit der Werkstattveranstaltung auch ein erster Schritt für die Bildung eines Netzwerks aller Träger und Organisationen vor Ort gemacht werden. Im Rahmen einer kooperativen Zusammenarbeit werden bei der Arbeitstagung die Stärken und Schwächen der vorhandenen Angebote besser sichtbar. Aus der Analyse der Lebenssituationen älterer Menschen in der Kommune können Ideen und Maßnahmen abgeleitet werden, wie die Angebote zur Förderung des Wohlbefindens und der Lebensqualität älterer Menschen durch gemeinsame Anstrengungen aller Träger und Akteure verbessert werden können. Bei der Werkstattveranstaltung entwickeln Akteure gemeinsam Strategien, um das Angebotsspektrum im Sinne der Gesundheitsziele weiterzuentwickeln und erarbeiten Umsetzungspläne.

Das Konzept der Arbeitstagungen/Werkstattveranstaltungen zum Download

Das Konzept zeigt auf, wie die Arbeitstagungen/Werkstattveranstaltungen geplant und durchgeführt werden können, und enthält einen detaillierten Ablaufplan.

Für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Arbeitstagungen/Werkstattveranstaltungen stehen Muster für Einladungsschreiben und Pressemitteilungen bereit.

Muster für das Einladungsschreiben zum Download

Muster für Pressemitteilungen zum Download

Datenerhebung zu Angeboten

Vielfach möchten sich Steuerungsgruppen oder Entscheidungsträger ein Bild von der aktuellen Angebotsstruktur machen. Hierzu benötigen sie Informationen über die Themen, Zielsetzungen und Inhalte vorhandener Angebote, Informationen zur Zielgruppe, Anzahl der Teilnehmenden, zu Ort und Zeit sowie zu räumlichen Gegebenheiten, Barrierefreiheit, Fahrservice etc. Die Datenerhebung dient gleichermaßen der Verwaltung, die etwa in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat eine Informationsbroschüre über die bestehenden Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebote für ältere Menschen veröffentlichen möchte. Für diese Zielsetzungen können zur Zusammenstellung der Daten zu vorhandenen Angeboten schriftliche Erhebungen (digital oder per schriftlichem Erhebungsbogen) eingesetzt werden.

Je nach Interessen und Zielsetzungen der Datenerhebung sind jedoch ausführlichere Informationen zu einer vertieften Bewertung der Angebote erforderlich. Aus Erhebungen lassen sich quantitative Angaben über die vorhandenen Angebote oder die Angebotsstruktur ermitteln, wenn sich viele Träger beteiligen. Auf diese Weise sind jedoch kaum Rückschlüsse auf die Qualität der Angebote zu ziehen. Eine Überprüfung, ob die vorhandenen Angebote bedarfsgerecht sind, erfordert eine genaue Analyse der Lebenssituation der teilnehmenden älteren Menschen sowie der inhaltlichen Ausrichtung der Angebote im Hinblick auf die Ziele der Gesundheitsförderung.

Das BAGSO-Im Alter IN FORM-Konzept zur Durchführung der Werkstattveranstaltungen für Verantwortliche und Akteure in der Seniorenarbeit enthält entsprechende Arbeitshilfen zur Analyse der Angebote nach Themen (Soziale Teilhabe, Bewegung, Mahlzeiten/Ernährungsangebote) sowie eine Checkliste zur Bewertung der Angebotsstruktur. Auf Basis der Analyse werden in den Werkstattveranstaltungen die wünschenswerten Verbesserungen des Angebotsspektrums zur Gesundheitsförderung gemeinsam von den teilnehmenden Akteuren erarbeitet.