Es folgt der Inhaltsbereich:

Wissen warum und wie!

Zusammenhänge verstehen, Empfehlungen umsetzen!

Teilhabe und Lebensqualität im Alter hängen in großem Maße von der lokalen Infrastruktur und den sozialen Netzen am Wohn- und Lebensort ab. Daher kommt den Kommunen bei der Gestaltung von Strukturen der Sorge und Unterstützung eine besondere Verantwortung zu. Für Kommunen ist es eine zentrale Frage, wie gesundheitsförderliche Angebote für ältere Menschen sichergestellt werden können. Die Neuausrichtung der Seniorenarbeit auf die Gesundheitsziele erfordert eine Sensibilisierung aller Akteure. Eine fachliche und begleitende Unterstützung der Akteure hilft dabei, mögliche Hemmschwellen und Hindernisse zu überwinden.

Eine einführende Darstellung zur Bedeutung der individuellen Lebenssituationen für die Gesunderhaltung älterer Menschen beinhaltet Qualitätsbaustein 2. Umfassende Erläuterungen sind auf der Webseite „Gesundheitsdeterminanten“ zu finden.

Erkenntnisse und Empfehlungen des Siebten Altenberichts

Die Verantwortung der Kommune, d.h. der verantwortlichen Personen in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft für die Gestaltung der Lebenswelt der älteren Menschen wird im Siebten Altenbericht ausdrücklich festgestellt.

„In ihren Empfehlungen fordert die Sachverständigenkommission den Bund und die Länder dazu auf, die Kommunen zu stärken und sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Sie plädiert für mehr Kooperation und Vernetzung in den Handlungsfeldern, die für ältere Menschen besonders bedeutsam sind (etwa Gesundheit, Sorge und Pflege, Wohnen sowie Mobilität)“.

(Sorge und Mitverantwortung in der Kommune. Erkenntnisse und Empfehlungen des Siebten Altenberichts, S. 5)

Siebter Altenbericht der Bundesregierung
Sorge und Mitverantwortung in der Kommune. Erkenntnisse und Empfehlungen des Siebten Altenberichts

„Je älter ein Mensch wird, desto kleiner wird oft sein Aktionsradius und desto mehr wird sein Wohnort zum Lebensmittelpunkt. Für ältere Menschen hat der Wohn- und Lebensort deshalb mehr noch als für jüngere Menschen eine besondere Bedeutung. Die Wohnung der Menschen ist ihr „Zuhause“. Im Umfeld der Wohnung sind sie unterwegs, hier versorgen sie sich mit vielen Gütern ihres täglichen Bedarfs, hier nehmen sie viele Dienstleistungen in Anspruch, hier verbringen sie Teile ihrer Freizeit. Ältere Menschen engagieren sich häufig vor Ort für das Gemeinwohl und verwirklichen Sorge und Mitverantwortung. Die Unterstützung, Versorgung und Pflege gesundheitlich eingeschränkter älterer Menschen ist räumlich weitgehend an ihren Wohnort gebunden.

Teilhabe und Lebensqualität im Alter hängen also nicht nur von bundesweit einheitlich geregelten Strukturen (etwa der Sozialversicherung) ab, sondern in großem Maße auch von der lokalen Infrastruktur und den sozialen Netzen am Wohn- und Lebensort. Dabei ist es eine zentrale Frage, wie die Versorgung und Unterstützung von auf Hilfe angewiesenen Menschen sichergestellt wird. Fast überall in Deutschland, wenn auch regional in unterschiedlichem Ausmaß, steigt der Anteil der Menschen über 65 Jahre und vor allem der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung an. Damit nimmt auch die Zahl der auf Pflege angewiesenen älteren sowie der demenzkranken Menschen zu. Zugleich steht das familiäre Pflegepotenzial unter Druck: Aus verschiedenen Gründen ist es immer weniger selbstverständlich, dass Pflege und Unterstützung innerhalb der Familie erbracht werden. Diese Situation wird durch einen sich bereits abzeichnenden Fachkräftemangel in der professionellen Pflege noch verschärft. (...)

Bei der Gestaltung von Strukturen der Sorge und Unterstützung kommt den Kommunen eine besondere Verantwortung zu: Ihre Aufgabe ist es, das Zusammenwirken von familiären, nachbarschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Ressourcen mit professionellen Dienstleistungen zu ermöglichen und zu gestalten.“

(Sorge und Mitverantwortung in der Kommune. Erkenntnisse und Empfehlungen des Siebten Altenberichts, S. 9 f.)

Herausforderungen auf kommunaler Ebene

Die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und der deutliche Anstieg der Zahl der Menschen über 80 Jahre sind den Verantwortlichen meist bewusst. Jedoch wird nicht überall ausreichend in den Blick genommen, was diese Entwicklungen in den nächsten 10 Jahren insbesondere in Hinsicht auf den zusätzlichen Bedarf an Angeboten und Dienstleistungen für die Versorgung, Betreuung, Unterstützung und Pflege bedeuten.

In diesen Kontext gehört aus Sicht der BAGSO unbedingt die Aufgabe der Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen im Sinne der Gesundheitsziele „Gesund älter werden“.

Diese Gesundheitsziele sind für das Wohlbefinden älterer Menschen von hoher Bedeutung und die damit verbundenen Aufgaben in den Kommunen sind sehr anspruchsvoll.

Wenn es aber gelingt,

  • nach und nach bei allen Trägern und Akteuren das Bewusstsein für die demografischen Entwicklungen und die Bedeutung der Gesundheitsziele zu wecken,
  • die Seniorenarbeit generell im Sinne der Gesundheitsziele zu gestalten und
  • die Seniorenarbeit, wie im Siebten Altenbericht angeregt, strukturiert und koordiniert gemeinsam an den Gesundheitszielen auszurichten,

werden alle Beteiligten davon profitieren.

Ziele einer umfassenden Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen sind:

  • Ältere Menschen bleiben länger selbstständig, denn:
    • Sie ernähren sich nährstoffreich mit leckeren Mahlzeiten,
    • sie bewegen sich ausreichend und beugen so Stürzen vor,
    • sie sind gesellschaftlich integriert und nicht einsam,
    • sie erhalten alle erforderliche Unterstützung und Versorgung.
  • Ältere Menschen werden später pflegebedürftig und somit verkürzen sich die Pflegezeiten.
  • Die vorhandenen Pflegekräfte werden weniger belastet.
  • Die Kosten für die Pflege älterer Menschen steigen weniger stark an.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen entsprechende Ressourcen für gesundheitsfördernde Angebote bereitgestellt und entsprechende Rahmenbedingungen und Strukturen für die Seniorenarbeit geschaffen werden. Die Verbesserung der Angebote erfordert einen Planungsprozess, an dem möglichst viele Verantwortliche und Akteure teilhaben sollten. Dabei sind vor allem die Einstellungen, das Wissen und die Motivation der Akteure in der Seniorenarbeit zu berücksichtigen, um zu verhindern, dass Unzufriedenheit, Ablehnung oder Konflikte entstehen und der Prozess nicht vorankommt. Eine Informationsveranstaltung bietet die Möglichkeit festzustellen, welche Ansichten, Ideen und Meinungen von Akteuren vertreten werden, und kann Aufschluss geben über notwendige Interventionen, wie z.B. weitere Informationen, Schulungen, Öffentlichkeitsarbeit etc. Wichtig dabei ist es, die Teilnehmenden nicht zu überfordern und sie Schritt für Schritt mitzunehmen.

Sensibilisierung der Akteure

Bei der Sensibilisierung von Akteuren für die Gesundheitsziele sollten folgende Faktoren oder Wirkungsgrößen berücksichtigt werden:

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Wirkungsgröße

Erläuterung

Altersbild in der Kommune bei den Akteuren

Es sollte ein positives und potenzialorientiertes Bild vom Alter vorherrschen: Ältere Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen haben vielfältige Kompetenzen und Fähigkeiten. Ein positives Altersbild wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden älterer Menschen aus. Sie fühlen sich besser.
(Siehe dazu die Webseite Altersbilder)

Gesundheitskompetenz der Akteure und der älteren Menschen

Die Fähigkeiten älterer Menschen und der Akteure in der Seniorenarbeit

  • sich Informationen zu Gesundheitsthemen zu beschaffen, sie zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden,
  • mit persönlichen Erkrankungen zurechtzukommen und gesundheitsbewusst zu handeln,
  • mit Fachkräften im Gesundheitswesen, wie Ärzten, Apothekern, Physiotherapeuten zu kommunizieren,
  • sich mit den Institutionen, Organisationen im Gesundheitsbereich zurechtzufinden,

wirken sich sehr auf die eigene Gesundheit und das Verständnis für gesundheitsförderliche Maßnahmen aus.
(Siehe Gesundheitskompetenz)

Verständnis der Akteure über mögliche Veränderungen im Alter

Akteure sollten wissen, dass die körperlichen und kognitiven Veränderungen im Alter durch eine gesunde Lebensweise beeinflussbar sind. Die Abbauprozesse können durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung verzögert werden (Was nicht genutzt wird, verkümmert).
(Siehe Gesundheitliche Herausforderungen)

Bewusstsein der Akteure

Akteure sollten verstehen, wie eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung zur körperlichen Gesundheit beitragen und was es für Menschen emotional bedeutet, am gesellschaftlichen Miteinander teilzuhaben. Sie sollten sich bewusst sein, wie wichtig die Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen im Rahmen der Seniorenarbeit ist.
(Siehe Gesundheitsdeterminanten)

Fachwissen der Akteure

Akteure sollten die 10 Regeln der DGE für eine gesunde Ernährung kennen und in der Seniorenarbeit bei der Beköstigung von älteren Menschen anwenden. Sie sollten motivierende Bewegungsübungen kennen und regelmäßig mit den Teilnehmenden durchführen.
(Siehe Handlungsfelder)

Stellenwert der Gesundheitsziele „Gesund älter werden“ in der Seniorenarbeit

Wenn Akteuren bewusst wird, welche positiven Wirkungen ihr Engagement für die älteren Menschen haben kann und was sie für das Wohlbefinden beisteuern können, sind sie eher bereit, an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen und sich für die Gesundheitsziele einzusetzen.
(Siehe Gesundheitspolitische Ziele)

Beharrungsvermögen / Widerstand von Verantwortlichen und Akteuren

Je nach ihren Erfahrungen in der Seniorenarbeit, persönlichen Zielsetzungen, Neigungen und Ansichten sind Akteure für Veränderungen mehr oder weniger offen. Ob aus Unsicherheit oder Angst vor Überforderung, es gibt viele Gründe, warum Akteure sich zunächst für Neuerungen nicht offen zeigen. Die Aussage „das wollen die älteren Menschen nicht“ ist dabei meist eine vorgeschobene Argumentation.
(Siehe dazu: https://www.umsetzungsberatung.de/psychologie/reaktanz.php)

Veränderungsbereitschaft von Verantwortlichen und Akteuren

Eine neue Idee trifft auf eine große Veränderungsbereitschaft bei Akteuren, die selbst gerne mal etwas Neues ausprobieren, die keine Angst vor Misserfolg haben, die wissen, dass Entwicklungen notwendig sind, oder die von der Idee begeistert sind. Dabei sollte beachtet werden, dass die Veränderung gründlich geplant wird, damit kein unnötiges Lehrgeld bezahlt werden muss.
(Siehe Potenziale aktivieren)

Kooperationsbereitschaft der Träger und Akteure in der Seniorenarbeit

Die Zusammenarbeit von Trägern im Rahmen von geordneten Strukturen ist eine Grundvoraussetzung für bedarfsgerechte „Sorge- und Unterstützungsstrukturen“. Die Bereitschaft dazu sollte bei allen Verantwortlichen vorhanden sein. Sie können ein Vorbild dafür sein, dass auch in der konkreten Arbeit mit den Seniorinnen und Senioren das Zusammenwirken der Akteure reibungslos funktioniert. Es sind oftmals verdeckte persönliche Empfindlichkeiten, die Kooperationen erschweren, wie z.B. Geltungsbedürfnis, Macht etc. Mit einer klaren gemeinsamen Zielvereinbarung sowie einer festgelegten Rollen- und Aufgabenverteilung können Kooperationen gut gelingen.
(Siehe Akteure der Gesundheitsförderung in Kommunen)

Verantwortung für die Förderung der Gesundheit

Die Kernfrage für alle Verantwortlichen in der Kommune, insbesondere in der Seniorenarbeit, sollte sein: Sind sich alle Personen, die die kommunale Arbeit gestalten, ihrer Verantwortung und ihrer Handlungsmöglichkeiten für die Förderung des Wohlbefindens und der Gesundheit älterer Menschen bewusst? Wie kann es gelingen, dies zu erreichen?

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Strukturen der Sorge und Unterstützung gestalten

Mit großem Engagement und hoher Fachkompetenz werden die Aufgaben in der Seniorenarbeit von vielen haupt- und ehrenamtlichen Kräften geplant und durchgeführt.

Um den neuen Herausforderungen in der Seniorenarbeit zu begegnen und die Aufgaben zur Förderung der Gesundheit zielgerecht umzusetzen, ist eine strukturierte gemeinsame Vorgehensweise unerlässlich.

Sofern bereits gute Strukturen für die Zusammenarbeit bestehen, gilt es, die neuen Themen systematisch aufzugreifen und die Angebote entsprechend neu auszurichten.

Wenn die Träger der Seniorenarbeit ihre Arbeit bisher jeweils in Eigenverantwortung durchführen, sollte unter Federführung der Fachkräfte aus der Verwaltung eine Kooperation der Träger initiiert werden. Die Bildung einer Lenkungsgruppe sollte vereinbart und als Steuerungsgremium etabliert werden. (Siehe Qualitätsbaustein 7)

Akteure mitnehmen

Für alle Menschen, die sich in der Seniorenarbeit engagieren, gilt: Sie tun in ihrem Aufgabenbereich ihr Bestes. Für die Entwicklungen in der Seniorenarbeit wird dies nicht ausreichen. Daher müssen alle Akteure auf die notwendigen Veränderungen aufmerksam gemacht werden. Es geht sowohl um inhaltliche und fachliche Verbesserungen in der Seniorarbeit zur Förderung des Wohlbefindens der älteren Menschen als auch um neue Formen der organisatorischen Zusammenarbeit. Auf diese Prozesse sollten die Akteure sehr sensibel vorbereitet und dabei eingebunden werden. Das bedeutet auch, dass Akteure oftmals ihr Selbstverständnis ändern müssen. Insbesondere ehrenamtlichen Akteuren kommt eine neue Rolle zu, wenn sie in der Seniorenarbeit aktiv die Gesundheitsziele unterstützen. In kleinen, aber immer wiederkehrenden Schritten sollte mit allen Akteuren erörtert werden, in welchem Maße in ihrem Aufgabenbereich noch mehr für die Gesundheit älterer Menschen und die Erhaltung ihrer Selbstständigkeit getan werden kann. Es sollte auch immer wieder geprüft werden, welche Zielgruppen noch zu wenig von den Angeboten profitieren. (Siehe Qualitätsbaustein 10).

Akteure benötigen dafür vor allem fachliche und begleitende Unterstützung. Einmalige Weiterbildungen zu verschiedenen Fachthemen reichen nicht aus. Die zuständigen Träger sollten gemeinsam mit den Akteuren regelmäßig reflektieren, wie die Umsetzung der Gesundheitsziele gelingt, was noch verbessert werden kann und wo Unterstützung gewünscht wird. Um nach und nach die Seniorenarbeit konsequent an den Gesundheitszielen auszurichten, ist es wichtig, eine grundsätzlich neue Haltung aller Akteure in der kommunalen Seniorenarbeit zu unterstützen. (Siehe dazu: https://www.umsetzungsberatung.de/psychologie/reaktanz.php)

In der Praxis umgesetzt heißt das: Alle Beteiligten berücksichtigen bei allen Aktivitäten in der Seniorenarbeit eine ausgewogene Ernährung, Bewegungsübungen und die Ansprache und Einbindung spezieller Zielgruppen der älteren Menschen.

Die fachliche Unterstützung sollte durch entsprechende Fachkräfte erfolgen. Diese sollten von Anfang an in die Prozesse eingebunden werden, um sinnvolle Hilfestellung geben zu können und Unsicherheit zu vermeiden.

Darüber hinaus sollte allen Beteiligten die Struktur der Zusammenarbeit in der Seniorenarbeit bekannt sein. D.h. Ansprechpartner und Verantwortlichkeiten sollten klar zugeordnet sein. 

Mögliche Hemmschwellen und Hindernisse

Träger und Akteure besitzen umfassende Kompetenzen für ihre Aufgaben in der Seniorenarbeit und oftmals langjährige Erfahrungen. Dies ist eine wichtige Basis für die Weiterentwicklung der Angebote zur Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen in der Kommune.

Die langjährigen Erfahrungen von Beteiligten können aber zu einer Hemmschwelle werden, wenn Träger oder Akteure der Meinung sind, dass ihre Arbeit sehr gut ankommt und die Teilnehmenden sehr zufrieden sind. Ihrer Meinung nach läuft alles gut und es braucht keine Veränderungen.

Je nach persönlichen Denk- und Verhaltensweisen, die sich im Laufe des Lebens durch vielfältige Einflüsse bei jedem ausgeprägt haben, und je nach Innovationsbereitschaft reagieren Akteure unterschiedlich auf die gewünschte Neuausrichtung oder Erweiterung der Seniorenarbeit.

Sowohl der je eigene Lebensstil als auch persönliche Sicherheit/Unsicherheit oder die Haltung einer Akteursgruppe können die Reaktion auf neue Impulse für die Seniorenarbeit beeinflussen.

Aber auch die gewohnte Gestaltung der Seniorenarbeit auf kommunaler Ebene in den letzten Jahren kann die Neuausrichtung oder Erweiterung der Angebote für ältere Menschen stark bestimmen. Wenn die örtlichen Träger seit vielen Jahren ihre traditionellen Aufgaben wahrnehmen und die Seniorenarbeit kaum neue Impulse erfahren hat, z.B. wenn bisher noch kein Seniorenbeirat etabliert wurde, kein ausgewiesener Kümmerer in der Fachverwaltung für die Koordination der Seniorenarbeit etabliert ist, sollten die ersten Anregungen zu einer Neuausrichtung sehr sensibel an die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft herangetragen werden.

Die Bereitschaft zur „Innovation“ in der Seniorenarbeit im Sinne der Fokussierung auf die Förderung der Gesundheit und der Bildung von Strukturen ist aufgrund vielfältiger Entwicklungen und Gegebenheiten von Kommune zu Kommune unterschiedlich. (Siehe: Community Change Readiness Model).

Je nach Status der Veränderungsbereitschaft sind unterschiedliche Ansätze zur Information und Motivation der Akteure zu beschreiten. Das folgende Modell (angelehnt an das „IOP-Führungskonzept für den öffentliche Sektor“; Norbert Thom & Adrian Ritz) zeigt die Zusammenhänge zur Steuerung eines Innovationsprozesses auf:

Befindlichkeiten berücksichtigen

Es muss mit Befindlichkeiten bei beteiligten Akteuren gerechnet werden, auf die unbedingt eingegangen werden sollte. Personen, die in ihrem Leben nicht oft neue Herausforderungen zu bewältigen hatten, kann es schwer fallen sich auf Änderungen einzulassen. Das bekannte Umfeld, die gewohnten Abläufe, die langjährigen Gesprächspartner geben Sicherheit und Klarheit. Neues kann z.B. mit Überraschungen, Konfrontationen und neuen Anforderungen verbunden sein, die verunsichern oder denen man sich nicht gewachsen sieht.

Daher sollten alle Akteure fachlich gut vorbereitet werden. Es sollte für alle Klarheit bestehen, was auf sie zukommt, welche neuen Anforderungen gestellt werden und wie alles ablaufen soll. Nur dann kann Vertrauen entstehen, Zustimmung wachsen und letztlich die Mitwirkung aller erreicht werden.

Zu diesem Zweck können auch anerkannte Personen hinzugezogen werden, die von ihren positiven Erfahrungen berichten. Es können Personen aus der Gruppe der Akteure angesprochen werden, die zunächst in einer Art Pilotphase etwas ausprobieren möchten, und dann darüber berichten. So kann nach und nach die Zustimmung bei den Akteuren wachsen, sich auf neue Aufgaben vorzubereiten. Wenn dies nicht bei allen Akteuren möglich ist, sollte man mit den Akteuren starten, die dazu bereit sind!

Ggf. können auch Personen angesprochen werden, die Freude an einer neuen Aufgabe haben und sich im Sinne der Gesundheitsförderung engagieren möchten. Auch sie sollten gründlich geschult, vorbereitet und stetig betreut werden.

Bei ersten Zusammenkünften der Verantwortlichen in den Bereichen der Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft oder im Dienstleistungsbereich könnten zunächst auch Bedenken bestehen. Für sie sollten aus den genannten Gründen ebenso die fachlichen Zusammenhänge ausreichend dargestellt werden. Die Mitwirkung von fachlich kompetenten Personen ist in allen Phasen von hoher Relevanz, damit die komplexen Zusammenhänge immer wieder aufgezeigt werden und Unsicherheiten vermieden werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass jeder mit den fachlichen Grundlagen und den absehbaren Entwicklungen vertraut ist. Nicht jeder traut sich, in der Gruppe klärende Fragen zu stellen, wenn man sich zum ersten, zweiten oder dritten Mal trifft. Manchen fällt es leicht, klärende Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu hinterfragen, für sie steht der Zugewinn an Information im Vordergrund und nicht die Sorge sich evtl. zu „blamieren“.

Bei verantwortlichen Trägern der Seniorenarbeit können auch Befindlichkeiten bestehen bezüglich der Zusammenarbeit. Je nach ihren Erfahrungen mit Kooperationen, ggf. auch in anderen Kontexten, fürchten sie an Einfluss zu verlieren, die Eigenständigkeit abgeben zu müssen oder sich zu sehr anpassen zu müssen. Auch solchen Unsicherheiten sollte durch eine abgestimmte und einvernehmliche Struktur der Zusammenarbeit entgegengewirkt werden.

Da in der Seniorenarbeit eine Vielzahl von engagierten Menschen tätig ist, sollten die Verantwortlichen bei der Einführung der Idee zur Förderung des Wohlbefindens älterer Menschen oder neuen Ideen zur Zusammenarbeit sehr sensibel und gut vorbereitet in die Diskussionen gehen.

(Zur Vorgehensweise in einem Erstgespräch der Verantwortlichen siehe den Leitfaden)

Der Bedarf an Information, die Sorge vor Unbekanntem und Neuem oder vor Überforderung, das traditionelle Verständnis von Seniorenarbeit, die Angst vor einer neuen Verantwortung – all dies ist in der Planungsphase zur Neuausrichtung der Seniorenarbeit auf die Gesundheitsziele zu berücksichtigen.